OLE MATHISEN / SOFIA LABROPOULOU / KENJI HERBERT
Konzert
Do. 17. Dezember, 20:30
OLE MATHISEN Saxophon / SOFIA LABROPOULOU Kanun / KENJI HERBERT E-Guitar
Dieses Trio vereint drei eigenständige Stimmen der internationalen kreativen Musikszene. Der Saxophonist Ole Mathisen, der Gitarrist Kenji Herbert und die Kanun-Spielerin Sofia Labropoulou begegnen sich in einer Konstellation, in der Jazz, Improvisation, modale Traditionen und zeitgenössische Klangforschung zusammenfinden.
Gemeinsam erkundet das Trio einen Raum des intensiven Zuhörens und des spontanen Dialogs, in dem unterschiedliche musikalische Welten aufeinandertreffen und sich im Moment entfalten.
Ort: Porgy & Bess (Riemergasse 11, 1010 Wien)
Barrierefreiheit: Der Veranstaltungsort ist rollstuhlgerecht zugänglich. Rollstuhlplätze sind begrenzt und sollten vorab reserviert werden.
Workshop
Workshop-Ort und Datum: TBA (werden bald bekannt gegeben)
OLE MATHISEN Die Bedeutung von Etüdenpraxis zur Entwicklung technischer und harmonischer Fluidität
Warum Etüden?
Der bedeutende Saxophonpädagoge Joseph Viola führte Ole Mathisen in die wunderbare Welt der Etüdenliteratur ein. Er arbeitete sich mit großer Hingabe durch zahlreiche herausragende Übungswerke, die zur Entwicklung seiner Phrasierung, Intonation und technischen Fähigkeiten beitrugen und ihn zugleich mit harmonischen und melodischen Sprachen jenseits der ihm bereits vertrauten Jazztradition vertraut machten.
Vorgehensweise
Was sind einige der unmittelbarsten Aspekte beim Herangehen an eine Übung?
- Rhythmus
Ein angemessenes Tempo finden
So viel wie möglich vom Stück durchspielen
Schwierige Stellen gezielt herausarbeiten: die Passage vorwärts und rückwärts spielen, unterschiedliche Artikulationen verwenden, in verschiedenen Tempi üben - Intervalle / Tonumfang
Griffe langsam erarbeiten
Locker bleiben
Einen gleichmäßigen Klang über das gesamte Instrument hinweg entwickeln
Mit einem Stimmgerät die Intonation überprüfen - Artikulation / Dynamik
Zunächst Details außer Acht lassen und mit einer natürlich empfundenen Phrasierung spielen
Nach und nach Phrasierungsangaben, Artikulation und Dynamik einbeziehen, um das Gehör langsam an das Notenmaterial zu gewöhnen und die Musik zu verinnerlichen
Ziele
Neuausrichtung und Erweiterung von Geist und Körper, um den musikalischen Fluss harmonischer Ideen zu steigern, die technische Ausdauer zu erweitern, den Ausdruck zu intensivieren und die rhythmische Energie über die von vielen Improvisierenden verwendeten Achtel, Sechzehntel und Triolen hinaus zu stärken.
Über die Künstler:innen
Ole Mathisen
Saxophonist, Komponist und Pädagoge
„Ole Mathisen entwickelt eine außergewöhnlich eigenständige musikalische Vision, indem er harmonisch bewusst den weniger begangenen Weg wählt – ein Ansatz, der lebendig, frisch und vor allem sowohl in der Präsentation als auch in der Komposition weit ausgreifend und offen ist.“ Brent Black – Bop-N-Jazz
Ole Mathisen ist ein Saxophonist, Komponist und Pädagoge mit einem starken Hintergrund im Jazz. Er erwarb einen Masterabschluss an der Manhattan School of Music, wo er Arrangement bei Maria Schneider, Komposition bei Ed Green und Saxophon bei Bob Mintzer studierte, sowie einen Bachelorabschluss am Berklee College of Music. Seit 2005 ist er Direktor des Louis Armstrong Jazz Performance Program an der Columbia University, wo er außerdem Saxophon unterrichtet und Ensembles leitet.
Im Jahr 2020 veröffentlichte Norsk Musikforlag seine Etüdensammlung Book of Mirrors – 18 Rhythmic and Intervallic Studies for Saxophone.
Am 24. April 2013 wurde seine Komposition Tone Poem: The Mind’s Eye Inverted vom Buffalo Philharmonic Orchestra im Rahmen eines Programms des Jazz Composers Orchestra Institute und Earshot aufgeführt. Das Werk erforscht die nach außen gerichtete Kommunikation instinktiver, körperlicher und intuitiver Ideen durch lyrische musikalische Gesten. In Teilen arbeitet die Komposition mit sogenannten „tonalen Feldern“ – von Mathisen so bezeichneten Teilmengen verfügbarer Tonhöhen, die sich in jeder Oktave verändern.
2010 erhielt Ole Mathisen ein Kompositionsstipendium des norwegischen Komponistenfonds Komponistenes Vederlags Fond und schrieb das mikrotonale Kammerorchesterwerk The Other Side of Night, lose inspiriert von Stephen Hawkings Buch The Grand Design.
2009 wurde ihm das New Jazz Works Grant von Chamber Music America verliehen. Daraus entstand Mirage, ein mehrsätziges Kammerjazzwerk, das auf illusionistischen rhythmischen Schichtungen basiert. Mirage wurde im Miller Theatre in New York uraufgeführt, von NPR live aufgenommen und in den Radiosendungen JazzSet mit Dee Dee Bridgewater sowie Jazzklubben mit Erling Wicklund ausgestrahlt.
Zu seinen weiteren Auszeichnungen zählen die ASCAP Plus Awards (2004, 2005, 2007, 2008, 2009), der DANY Arts Grant (2006) der dänischen Regierung, das Tono Work Stipend (1999, 2014) der norwegischen Verwertungsgesellschaft, das Artist Educational Stipend (1993) der norwegischen Regierung, der Faculty Association Award (1987) des Berklee College of Music sowie der Phil Woods Incentive Award (1984).
Ole Mathisen wirkte an über 100 CD-Produktionen mit und komponierte zudem mehrere Filmmusiken für das Fernsehen.
Aufnahmen unter eigenem Namen oder als Co-Leader sind unter anderem:
Floating Points (2018), 7 Seconds to Sundown (2015), Trapezoid (2013, Alessa), Mirage (2012, Jazzheads), Elastics (2011, Losen), Periodic Table (2010, Jazzheads) und Chinese Horoscope (2007, Jazzheads).
Sofia Labropoulou
Kanun-Spielerin, Komponistin, Improvisationskünstlerin und künstlerische Leiterin von Unbounded Sounds
„Ihre Kompositionen, ihr Spiel und die Auswahl der mitwirkenden Künstler zeigen, dass sie ihr Instrument beherrscht, es aber nicht in den Vordergrund stellt. Ihre Kompositionen geben der Geschichte Raum, sich zu entfalten, und anderen, zu glänzen.“ Bojan Djordjevic – WMCE
Sofia Labropoulou ist eine Kanun-Spielerin, Improvisatorin und Komponistin. Ihren unverwechselbaren Klang entwickelte sie, indem sie meisterhaft die Welten der ostmediterranen Volksmusik, der klassischen osmanischen Musik, der westlichen mittelalterlichen Musik sowie der experimentellen und zeitgenössischen Musik verbindet.
Nach einer klassischen Ausbildung am Klavier und klassischer Perkussion ab dem Alter von 8 Jahren war es Liebe auf den ersten Klang, als sie dem Kanun fast ein Jahrzehnt später zum ersten Mal begegnete. Mit ihrem byzantinischen Musikdiplom in der Hand zog sie 2003 nach Istanbul um ihre Liebe zum Kanun zu vertiefen und osmanische Musik zu studieren.
Als Solistin arbeitet sie mit renommierten Komponisten, Musikern und Orchestern aus der ganzen Welt zusammen, komponiert Musik und bietet weltweit Meisterkurse in Kanun und griechischer Volksmusik an.
Ihr erstes persönliches Album “Sisyphus” (Odradek Records) wurde im Dezember 2020 veröffentlicht, derzeit schließt sie die Aufnahme ihres ersten Solo-Kanun-Albums „Spiral“ ab.
Sie lebt in Wien und ist die Gründerin sowie künstlerische Leiterin der Musikreihe Unbounded Sounds.
Kenji Herbert
E-Guitar-Spieler, Komponist, Improvisator
„Mäanderd zwischen Rock und Jazz, fließen bei Herbert Traditionen zusammen und mischen sich für ein außergewöhnliches Klangporträt der Gegenwart.“ Jazzthing
Kenji Herbert ist ein in Wien lebender Gitarrist, Komponist und improvisierender Musiker. Aufgewachsen in Osaka und Kobe in Japan und geprägt durch ein Jahrzehnt in der kreativen Musikszene Brooklyns, lädt seine Arbeit zu spontanen Dialogen zwischen scheinbar unterschiedlichen musikalischen und ästhetischen Welten ein. Daraus entsteht ein Klang, der sich einfachen Kategorisierungen entzieht und dennoch in vielfältigen musikalischen Kontexten zuhause ist.
Er leitet ein Trio mit Vinicius Cajado und Lukas König, dessen Debütalbum A Million Forests of the Fall (Unit Records, 2024) mit dem Österreichischen Jazzpreis als Album des Jahres ausgezeichnet wurde. Das Projekt entfaltet eine eindrucksvolle musikalische Erzählung, die Einflüsse von Indie-Rock bis zu ambienten Klanglandschaften miteinander verbindet und durch das dynamische Zusammenspiel des Trios lebendig wird. Zu seinen früheren Veröffentlichungen zählen As If For Now (Urchin Records, 2021) und The Way the Light Falls (Inner Circle Music, 2016).
Herbert ist Co-Leader von The Scruffy Herberts gemeinsam mit Peter Herbert sowie eines Trios mit Jordina Millà und Sofia Labropoulou. Außerdem ist er Mitglied des Andras Dés Quartet, der Matthew Halpin Group und von Georgia Webers Sleeved Hearts und wirkte am Durchbruchsalbum Vulture Prince (New Amsterdam, 2021) der Grammy-prämierten Künstlerin Arooj Aftab mit. Gemeinsam mit Keisuke Matsuno ist er zudem im Dokumentarfilm Mit Kenji & Keisuke – Brooklyn, New York (2017) der Regisseurin Misaki Matsui zu sehen.
Seine musikalische Ausbildung erhielt Herbert an der Musik-Akademie der Stadt Basel (2006–2008), wo er bei Wolfgang Muthspiel studierte, sowie am Berklee College of Music (2009–2011), das er mit Auszeichnung abschloss. Dort wurde er von Mick Goodrick und David Tronzo betreut und war Mitglied des Berklee Global Jazz Institute unter der künstlerischen Leitung von Danilo Pérez.